Andacht zum 20.06.2021, 3. So. n. Trinitatis, von Pfarrerin Anna Scholz

Psalm 103

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler. Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden. Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten. Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun. Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles. Lobet den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, dass man höre auf die Stimme seines Wortes! Lobet den Herrn, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut! Lobet den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele! Amen.

Ansprache

Martin schleppt sich den Weg entlang. Vom Himmel zucken Blitze und Donner grollen direkt über ihm. Er ist auf dem Weg zu seinem Studienort. Jura soll er machen, ein Rechtsgelehrter werden, so will es sein Vater. Aber Martin weiß tief drinnen, dass das nicht seine Sache ist. Ein gleißendes Licht durchbricht die finster aufgetürmten Wolken. Martin stürzt in den Graben am Wegrand. In seiner Angst ruft er zur heiligen Anna, der Schutzpatronin der Bergleute. Er verspricht, sollte er dem Unwetter entkommen, Mönch zu werden. So geschieht es. Martin tritt in ein Kloster ein. und fängt an, nachzudenken über seinen Glauben und den, den die Kirche seiner Zeit in den Menschen verankert. Ein Glaube, der manchmal Angst macht. Angst vor Höllenstrafen für all das menschliche Versagen, dass es damals gegeben hat, wie zu allen Zeiten. Und Angst vor Gott selbst. Denn der Gott, von dem Martin bisher weiß und an den viele in seiner Zeit glauben, ist ein Gott, der richtet. und vertreten wird er von einer Kirche, die den Menschen das letzte Hemd auszieht. Jeder muss bezahlen, Ablass kaufen für die Strafen, die im Jenseits warten, so wird es erzählt. Und Martin fängt an zu lesen. Und er liest in der Bibel. Und schließlich erkennt er: Der Gott, von dem da die Rede ist, ist anders. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Martin wird ein gelehrter Theologe. Er macht einen Doktor und wird selbst Lehrer an der Universität. Er will es anderen auf den Weg mitgeben, was er erfahren hat: Der Gott der Bibel ist kein strafender und rächender Gott. Sondern einer, der liebt und verzeiht. Und seine Menschen begleitet durch alle Stürme des Lebens.

Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

Und trotzdem hat jede Menschenseele einen unendlichen Wert. Und all das, was in einem Menschenleben schief geht, all das, was kaputt gehen kann und was schmerzhaft ist. das ist keine Strafe von Gott. Sondern etwas, das Gott mitmacht und begleitet. Dafür kann er nichts. Aber er geht mit, in all dem, was schwer ist.

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

 Martin verfasst viele Bücher und Schriften. Und er übersetzt die Bibel, damit alle selbst lesen und verstehen können, welche Erfahrungen die Menschen mit Gott gemacht haben und was sie davon aufgeschrieben haben. Und er erzählt davon, was er selbst erfahren und erkannt hat. Hier stehe ich, ich kann nicht anders, soll er gesagt haben auf dem Reichstag in Worms, wo er vom Kaiser und den Mächtigen der Kirche vor Gericht gestellt wird. Martin brennt für seine Sache, weil er glaubt, dass sie eine Sache ist, die alle Menschen etwas angeht. Und er sagt: Kein Mensch ist mehr wert als ein anderer vor Gott. Durch die Taufe sind wir alle gleichermaßen Priester und Heilige. Manche kennen sich vielleicht ein bisschen besser aus mit den Dingen, weil sie es lang und ausführlich studiert haben und deshalb lernen konnten, es in Worte zu fassen und es den anderen zu sagen. Aber deshalb gelten sie nicht mehr, nicht vor anderen Menschen und schon garnicht vor Gott. Denn Gott sieht seine Menschen an und weiß, sie machen oft was falsch. Und er weiß, sie brauchen öfter mal Hilfe oder jemanden, der ihnen wieder zurück hilft auf einen guten Weg. Und dabei hilft er auch.

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

Martin fasst es zusammen, was er gelernt hat und glaubt. Nur aus Glauben, nur durch Jesus Christus, nur durch die Bibel und nur durch Gnade seid ihr gerettet.

Vier Dinge, die es auf den Punkt bringen:

Im Glauben bist du gerettet. Da, wo Du auf das Gute vertraust. Und darauf, dass du nicht allein bist, egal welches Schlamassel gerade ist. Sola fide. Davon erzählt Jesus. Mit seinem Leben, das der Liebe zu den Menschen gegolten hat. Und mit seinem Tod, den er durchlitten hat, so wie es alle Menschen einmal müssen. Und mit seiner Auferstehung, die bedeutet: Was zerstört ist, wird wieder heil. Was kaputt ist, wird repariert. Und das, was wir mit unseren Menschenaugen sehen, ist nicht die ganze Wahrheit. Solus Christus.

Solche Erfahrungen haben die Menschen gemacht, mit Jesus, aber auch schon, bevor es ihn gab. Und es aufgeschrieben in der Bibel. In alten Worten, die manchmal nicht so ganz leicht zu verstehen sind für uns heute. Aber in denen wir danach suchen könne, was davon uns trägt. Und uns daran freuen, wenn da etwas ist, das uns Mut macht. Sola scriptura. Und mit den Worten der Menschen von vor langer Zeit sagen:

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

Denn da ist ja auch noch die Gnade. Und die gibt´s ganz umsonst. Du kannst sie nicht verdienen. So wie du überhaupt eigentlich gar nichts verdienen kannst, was gut ist. Auch wenn du das manchmal denkst, hier, in unserer Menschenwelt, in der es darauf ankommt, dass jeder sein Glück selbst in die Hand nimmt und daran schmiedet. Und das ist ja auch nicht falsch. Bloß ist es nicht alles, was zählt. Weil du und ich und wir alle nämlich, egal, was wir Tolles vollbringen und erreichen und egal, wie sehr wir uns anstrengen, welche von den Guten zu sein, immer doch auch noch das sind, was zu Martins Zeiten ein Sünder oder eine Sünderin genannt wurde. Simul iustus et peccator ist ein Mensch. Gerechter und Sünder zugleich, sagt Martin. Denn wir können uns nicht ganz allein selbst zu guten Leuten machen, und es liegt nicht alles in unserer eigenen Macht. Sondern es ist ein Geschenk. Gnade. Dir wird verziehen. Und vielleicht kannst du, wenn du das glaubst, auch anderen verzeihen. Sola gratia.

So ungefähr hat Martin das gedacht. Und ist damit seinen Weg gegangen. Raus aus dem Kloster, weg von einer Kirche, die den Menschen Angst gemacht hat und sie klein gemacht. Einen Weg, den wir noch wissen, obwohl er vor 500 Jahren angefangen hat. Ein Weg, der mit Blitz und Donner eingeschlagen hat in die Welt. Und den es sich lohnt, weiterzugehen, und ihn auch immer wieder neu zu bedenken und auszurichten, jedenfalls glaub ich das. Weil es ein Weg der Freiheit ist. Und die erstarrt manchmal, auch in unserer Kirche, an der Martin damals mitbauen wollte. Aber wir können sie suchen, diese Freiheit, in uns selbst und außen um uns herum. Und ihr den Weg bereiten. Mit Liebe, mit Lachen und mit einem Blick, der uns selbst und anderen verzeiht. Denn Gott ist einer,

der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. Barmherzig und gnädig ist Gott, geduldig und von großer Güte. Amen.

Fürbitten

Gott, du Geheimnis meines Lebens, hier bin ich. Ein Stückwerk. Gefügt, gebrochen, glänzend schön, chaotisch. Ein Stückwerk. Und dennoch: Hier bin ich. Wenn das Vollkommene kommt, wird das Stückwerk aufhören. Martin hat das geglaubt und ich auch. Komm mit mir ins Dunkle, Ewige. Tief hinein in die Risse meines Lebens. Wo ich zu früh aufgehört habe, zu lieben, zu atmen, zu hoffen. Wo ich zu wenig war und alles andere zu viel. Komm mit mir in den Glanz, Ewige. Tief hinein in all die Schönheit. Wo ich neu beginnen konnte. Wo ich lassen konnte und aufhören. Wo ich genug war. Hier bin ich. Ein Stückwerk. Und dennoch: hier bin ich. Wenn das Vollkommene kommt, dann lass das Stückwerk bleiben, Gott. Denn: hier bin ich. Wenn das Vollkommene kommt, dann lass das Stückwerk bleiben. Lass es bleiben und aufhören. Aufhören zu wenig zu sein. Aufhören zu schmerzen. Lass es selbst der Glanz sein, die Schönheit, der ganze Himmel. Barmherzigkeit und Gnade. Amen.

Vater unser im Himmel...

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse eluchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen, Amen, Amen.

Bleiben Sie behütet und gesund.

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Pfarrerin Anna Scholz

 

 

  

Posaunenchor sucht musikalische Leitung

Der Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Fronhausen sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine neue musikalische Leitung!

In unserer etwa 30 Personen zählenden Bläserrunde, sind wir generationsübergreifend im Alter zwischen 13 und 82 Jahren aktiv. Neben der klassischen Posaunenchorliteratur sind wir auch offen für weitere Musikstile und freuen uns auch immer wieder, neue Ideen und musikalische Herausforderungen kennenzulernen. Regelmäßig im Verlauf des Kirchenjahres gestalten wir eigene Bläsergottesdienste zu unterschiedlichen Themen. Daneben versuchen wir im Jahresverlauf auch mindestens eine Konzertveranstaltung mit wechselnder Gestaltungsart umzusetzen. Die Jungbläserausbildung wird von einem engagierten Bläser begleitet.

Unser wöchentlicher Probentag fand bisher montags im Gemeindehaus statt.

Pandemiebedingt ist aktuell unsere Chortätigkeit sehr stark eingeschränkt und kaum möglich.

Wir freuen uns über Kontaktaufnahme unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!!

 

WALK&TALK: Spazierengehen mit Ihrer Pfarrerin

Ab dem 1.3.2021 startet in unseren Gemeinden Fronhausen und Hassenhausen ein neues Projekt! Weil es wegen "Corona" so wenig Kontaktmöglichkeiten gibt, und immer noch kaum Veranstaltungen der Kirchengemeinde stattfinden können, gibt es jeden Mittwoch von 15-16h die Möglichkeit zu einem Spaziergang mit Pfarrerin Anna Scholz. Wir ziehen uns wetterfest an und gehen zusammen zu Ihren Lieblingsorten und reden über Gott und die Welt, oder was Sie beschäftigt und bewegt.

Melden Sie sich gern telefonisch unter 064218408113 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an! Ich freue mich, Sie und die Gemeinde auf diese Weise besser kennenzulernen!


 

Küster*- und Hausmeisterstelle* neu zu besetzen

In unserer Kirchengemeinde ist sowohl die Küster*stelle als auch die Hausmeister*stelle für die Pflege der Außenanlagen an der Kirche und am Gemeindehaus, neu zu besetzen.

Die Hausmeister*stelle zum nächstmöglichen Zeitpunkt und die Küster*stelle zum 01.06.2021.

Die Hausmeister*stelle hat einen Umfang von 3,5 Wochenstunden (2 Std. Außenanlage Kirche und 1,5 Std. Gemeindehaus), die im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung tariflich vergütet werden.

Die Küster*stelle hat einen Umfang von 4 Wochenstunden und wird ebenfalls im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung tariflich vergütet.

Die Küster*-Aufgaben umfassen insbesondere die Vor- und Nachbereitung der Kirche für die sonntäglichen Gottesdienst, von Trau- und Trauergottesdiensten sowie die regelmäßige Innenreinigung der Kirche. Hinzu kommen gelegentliche besondere Veranstaltungen, wie Konzerte, die in der Kirche stattfinden und die Abrechnung der Kollekten.

Die Vertretung für Urlaub und Krankheitstage ist gewährleistet.

Diese beiden Stellen können auch gerne mit einer Person besetzt werden.

Interessent*innen wenden sich bitte an Pfarrerin Scholz, Tel.: 06421/8408113 oder an Helmut Giebeler, Tel., 0151/41623962.

Der Kirchenvorstand

 

 

 

Offene Kirche

Unsere Kirche hat in der Sommerzeit täglich von etwa 10-18 Uhr geöffnet. Seien Sie herzlich willkommen in unserem Kirchenraum! Besuchende finden dort vielleicht Ruhe und Entspannung, einen wohltuenden Abstand zum Alltag. Sie können dort auch unseren Kirchenführer erwerben. Herzlich Willkommen!

Die Kirche ist bis auf Weiteres von ca. 10 Uhr bis ca. 18 Uhr geöffnet. Andachten können dort mitgenommen werden .