Andacht Misericordias Domini, 14.04.2024, Sabine Klatt (Diakonin/Prädikantin)

Von der „Barmherzigkeit Gottes“ (lat. Misericordias Domini) hören wir heute am 2. Sonntag nach Ostern. Menschen beschreiben sie – seit Jahrtausenden – mit den einfachen Worten: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. – An ihn, den guten Hirten, wenden wir uns mit unserem Gebet und Lied. Schön, dass wir auf diese Weise miteinander verbunden sind – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: Der Herr ist mein getreuer Hirt (EG 274)

Gebet

Gott, unser Vater, du hast uns deinen Sohn gesandt: Jesus, den guten Hirten, der uns sammelt, der uns den Weg weist, der uns schützt in Gefahr. Wir bitten dich: Gib uns deinen Geist, dass wir die Stimme des Hirten erkennen und ihm folgen auf dem Weg in das ewige Leben. Amen

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens Willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Ansprache

Liebe Leser*innen!

Wenn jemand einen Psalm auswendig kann, dann diesen. Es gibt wohl keinen Text aus der Bibel, der bekannter als der Psalm 23 ist. Er ist schön anzuhören, aber er ist viel mehr als Poesie. Am Bett von sterbenden Menschen zitieren wir, obwohl er gar nicht vom Tod handelt. An Gräbern lesen wir ihn vor, obwohl er gar nicht von Trauer handelt.  Ganz im Gegenteil: Psalm 23 lädt uns zu einem völlig neuen Lebensstil ein, der davon handelt, in der Gegenwart eines Gottes zu leben, der mehr Liebe für uns bereithält, als wir uns jemals vorstellen können. In ihm geht es um Sicherheit und Geborgenheit, um Lebenssinn und Hoffnung, um Freude und Sorglosigkeit mitten in einer zerrütteten Welt. Er handelt davon, dass wir ruhig und gelassen bleiben können, auch dann, wenn alles um uns herum zusammenbricht. Er beschreibt einen so tiefen Frieden, der uns auch dann noch feiern lässt, wenn Feinde, Krankheiten, Sorgen und der eigene Tod schon vor der Tür stehen. Er redet davon, wie sich Zeiten der Krisen in Augenblicke einer tiefen Gotteserfahrung verwandeln können. Dieser Psalm ist randvoll mit Hoffnung, Freude und Liebe. Einer, der den Psalm 23 voll und ganz lebte, war Jesus. Jeden Augenblick seines Lebens lebte er in dem festen Bewusstsein, dass Gott als sein guter Hirte bei ihm war. Sein Leben war gekenn-zeichnet von harten Strapazen und Schwierigkeiten, aber er fand immer Augenblicke, in denen er wieder zur Ruhe fand. Mitten in seinem oft zerrissenen Alltag fand er die saftigen Wiesen und frischen Quellen, die ihm sein Vater zeigte. Er hatte kein eigenes Haus, keinen Grundbesitz und kein Sparbuch trug seinen Namen. Und doch wird man beim Lesen der Evangelien den Eindruck nicht los, dass er ein durch und durch zufriedener Mensch war. Er spürte die Gegenwart seines Hirten und das war alles, was er brauchte. 
In Kleinigkeiten, wie einem Spatzen oder einer Blume auf dem Feld, entdeckte Jesus die Fürsorge Gottes. Er wusste ganz genau: Wenn Gott sich um diese einfachen Dinge so sehr kümmert, warum sollte er sich da noch Sorgen machen? Sein Hirte würde für ihn sorgen. So kam es, dass sein Becher überquoll mit Freude und Hoffnung und wenn er andere Menschen traf, dann hatte er ganz viel an sie weiterzugeben. Auf Hochzeiten, bei Begegnungen an Brunnen oder mitten auf einer staubigen Landstraße sorgte er dafür, dass auch ihr Becher überlief. Selbst im Tal des Todes, am Kreuz, hielt Jesus sich an seinem Hirten fest. Auch dann, als der Vater weder zu sehen noch zu spüren war, gab er nicht auf. Und weil er treu blieb und den Weg weiterging, können wir es für uns heute in Anspruch nehmen, dass Gott auch unser guter Hirte ist. In Psalm 23 schaut David uns fröhlich an und flüstert uns zu: „Der Herr ist dein Hirte, dir wird nichts mangeln.“  David schrieb den Psalm nicht, um uns daran zu erinnern, wie sehr wir Ruheplätze und Orte brauchen, an denen wir neu motiviert werden und neue Kraft bekommen. Er schrieb den Psalm nicht, um uns neu vor Augen zu halten, wie oft wir durch dunkle Täler durch müssen und Angst haben. Er brauchte uns auch nicht an unsere Schuld zu erinnern. Er schrieb diesen Psalm, um uns diese eine Botschaft zu überbringen, die wir schon sooft gehört haben, die aber immer noch so unbegreiflich ist: Gott ist der Hirte, der dein Leben für dich und mit dir in die Hand nimmt. Der da ist, wenn du dich nicht mehr auskennst. Der dir neue Kraft gibt, wenn die Kinder dich wieder einmal aussaugen. Der dir Ruhe verschafft, wenn du den Brief vom Finanzamt öffnest. „Der Herr ist mein Hirte.“ In diesem Psalm gebraucht David insgesamt 96 Worte, um diese ersten fünf zu erklären. Um nichts anderes ging es ihm. Mit jedem Wort will er unsere Konzentration auf Gott richten. Mit jedem Satz sagt er: Er ist der gute Hirte. Er, der Herr. Nicht irgendeine neblige Fantasiegestalt, nicht irgendein Gott, der nur durch die Tradition besteht; nicht bloß ein frommer Gedanke, eine religiöse Lehre oder ein psychologischer Trick, sondern er, der lebendige Herr. Im Hebräischen steht hier: „Jahwe ist mein Hirte.“ Und es ist bemerkenswert, dass David ausgerechnet diesen Namen gewählt hat. Denn Gott hat im Alten Testament viele Namen. Gott ist der Gott, der für dich da ist. Jahwe. Der gute Hirte. Das ist der Gott, den wir brauchen. Ein Gott, der über eine unfassbare Größe verfügt und der doch ganz persönlich an jedem Einzelnen interessiert ist. Ein Gott, der weiß, wie es am Rande des Universums ausschaut und der gleichzeitig wissen will, wie es dir geht. Ein Gott, der die tiefsten Geheimnisse des Lebens genauso gut kennt wie deine geheimsten Wünsche. Ein Gott, der die Welt versteht und der dich versteht. David bringt es für uns alle auf den Punkt: „Der Herr ist mein Hirte.“ Und dann schreibt er weiter: „Mir wird nichts mangeln, er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.“ David weiht uns hier in eines der größten Geheimnisse des Lebens ein. Er zeigt uns, wo wir echtes und tiefes Lebensglück finden. Viele Menschen denken, dass sie dann glücklich sind, wenn sie viele materielle Dinge besitzen. Geld, ein neues Auto, schicke Fernreisen, kostbare Bücher. Andere finden ihr Glück in Beziehungen. Freunden, durch Familie oder Kinder. Und es stimmt ja auch. Irgendwann steht das neue Auto vor der Tür und wir sind glücklich. Irgendwann sitzen wir im Flugzeug und freuen uns. Wir schauen unsere Kinder an und sind glücklich. Jedenfalls für eine gewisse Zeit. Denn nach ein paar Wochen ist der Neuwagengeruch verflogen und die ersten Schrammen tauchen auf. Irgendwann sitzen wir wieder im Flugzeug, aber diesmal ist es der Rückflug und Kinder sind auch nicht immer nur die reinen Glücksspender. Und dann? Auf zu neuen Ufern? Einfach etwas Neues ausprobieren? Den Wagen verkaufen und einen neuen anschaffen. Den Job kündigen und in die Karibik ziehen? So manche Ehe ist schon daran zerbrochen, dass ein Ehepartner gesagt hat: „Hier ist es mir zu langweilig. Ich muss einfach mal was Neues ausprobieren. Mich entfalten. Mach’s gut.“ Zur Zeit Davids haben die Menschen das Bild vom guten Hirten in einer ganz anderen Tiefe verstanden. Israel war damals ein sehr karges Land. Es gab mehr Wüsten und trockene Landschaften als alles andere. Eine frische saftige Weide war nicht selbstverständlich, denn dafür war der Hirte zuständig. Es war seine Aufgabe, die Quellen zu finden, das Wasser auf das Land zu leiten, die Steine wegzuräumen, die Dornenbüsche zu verbrennen und auf diese Weise das Land fruchtbar zu machen. Eine saftige Weide war kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit eines Hirten. Gott hat an unserer Weide noch viel härter gearbeitet. Mit seinen durchbohrten Händen schuf Jesus für uns einen Weidegrund für unsere Seelen. Er rodete das Dornengestrüpp der sicheren Verdammnis. Er hob die mächtigen Felsbrocken unserer Sünde auf seine Schultern und warf sie ins Meer. Er säte das Gras der Gnade und legte Teiche der Liebe Gottes an. Wir haben einen starken, mächtigen Gott, der uns hört, egal wie es uns geht und wo wir sind. Wir haben die Liebe in Person auf unserer Seite, seinen Heiligen Geist in uns und die Ewigkeit in seiner Gegenwart vor uns. Wenn du zu diesem Hirten gehörst, dann bist du ein Mensch, der frei von seiner Sünde ist.  Paulus schreibt in seinem ersten Brief an Timotheus: „Dabei ist in der Tat jeder reich, der an Gott glaubt und mit dem zufrieden ist, was er hat.“  (1. Timotheus 6) Und selbst wenn du im Augenblick in einer verfahrenen Situation steckst und du feststellst, dass der Boden unter dir unglaublich trocken und fruchtlos ist, dann brauchst du nicht zu verzweifeln, sondern du kannst deinen Blick erheben und fragen: „Okay, Herr, wohin gehen wir jetzt? Zeigst du mir die nächste saftige Weide?“ Weil er der gute Hirte ist. Amen.

Fürbittengebet

Barmherziger Gott,  durch Jesus Christus  hast du uns zum Heil und zur Freude berufen. Durch ihn bitten wir dich: Schenke der Kirche neu die Erfahrung deiner Gegenwart und den Getauften ein Vertrauen, das alles von dir erwartet. Schenke der Welt den Frieden,  den sie sich selbst nicht geben kann; gib uns deinen Geist, dass wir deinen Weg und Willen erkennen. Gib Hoffnung den Kranken und lass das österliche Licht in ihren Herzen aufscheinen. Denen, die für sie da sind, gib Kraft, Geduld und Liebe. Schenke unvergängliches Leben  denen, die uns im Tode vorausgegangen sind,  und vollende sie in deinem Licht. Lebendiger Gott, überwinde unsere Zweifel  und stärke in uns das Vertrauen  auf Jesus Christus, unseren Herrn. - Vater unser im Himmel ...

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen +++

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlichst, Ihre Sabine Klatt (Diakonin/Prädikantin)

 

 

 

 

Am letzten Mittwoch im Monat, jeweils von 15 Uhr bis 16.30 Uhr, ist Zeit für einen gemütlichen Nachmittag im Erzählcafé der Kirchengemeinde. Eingeladen sind alle, die sich bei Kaffee und Kuchen mit anderen Menschen treffen wollen, unabhängig vom Alter oder Konfession. Wir singen zusammen, hören auf interessante Vorträge mit Themen aus unterschiedlichen Bereichen und auch die persönliche Unterhaltung miteinander kommt nicht zu kurz.

Die nächsten Erzählcafé-Termine sind:

24. April um 15 Uhr

 

 

 

Glaube am Stammtisch - Gott kommt in die Kneipe

Wir treffen uns einmal im Monat am letzten Donnerstag eines Monats bei Mertes Ernst in der Wirtschaft "Zum Adler" - Gladenbacherstr. 7 in Fronhausen/Lahn und diskutieren lebhaft über verschiedene Glaubensfragen. Jeder darf kommen, egal welcher Glaubensrichtung  man angehört.

Derzeit beschäftigen wir uns mit Irrtümern der Bibelauslegung und orientieren uns an dem Buch " Die 31 beliebtesten Irrtümer der Bibelauslegung" von Karl-Wilhelm Steenbuck.

Der nächste Termin ist Donnerstag, der 2. 5. 2024 um 18 Uhr Thema: Die Frau aus der Rippe Adams

 

 

 

 


 

 

 

 

Offene Radwegekirche

Unsere Kirche ist von Ostern bis Oktober täglich von etwa 10-18 Uhr geöffnet. Seien Sie herzlich willkommen in unserem Kirchenraum! Besuchende finden dort vielleicht Ruhe und Entspannung, einen wohltuenden Abstand zum Alltag. Sie können dort auch unseren Kirchenführer erwerben. Herzlich Willkommen!